Der Begriff der Schönheit als ästhetisches Kriterium ist in der bildenden Kunst nahezu irrelevant geworden. Das ist bemerkenswert, denn gleichwohl muss sich jeder Schaffende von Kunstwerken dazu positionieren. Jede Gestaltung setzt Entscheidungen voraus, die das Entstehende strukturieren und ins rechte Maß bringen müssen. Selbst wenn man dem Zufall einen entscheidenden Anteil am Werk überlässt, liegt die Beurteilung und Autorisierung in den Händen des Künstlers und entzieht sich nicht der ästhetischen Beurteilung.
Der Einwand, dass das Werk in eine Form zu bringen, nicht zwangsläufig bedeutet „Schönheit“ anzustreben, ist richtig. Es verkennt aber die Unumgänglichkeit unserer bewussten und unbewussten Wertvorstellungen in Bezug auf Ausgewogenheit, Harmonie und anzustrebender Vollkommenheit. Selbst die Negation dieser positiv besetzen Gestaltungsideale schließt diese dann mit ein.
In diesem Sinne ist es nicht Ziel der Ausstellung „schöne Kunst“ zu präsentieren. Vielmehr geht es um die Bewusstmachung von ästhetischen Maßstäben in Beziehung zu den genannten positiv empfundenen Gestaltungsidealen, die wir Schönheit nennen.
Neben den Werken werden kurze Statements der Künstler zu finden sein, wie diese sich dazu positionieren.
Finissage 28.11.25 19 Uhr / in Anwesenheit des Künstlers
Es werden Arbeiten der letzten Jahre gezeigt, die sich mit den Verwerfungen der Coronazeit, der Kriegsthematik und aktuellen politischen Geschehnissen beschäftigen. Simon Rosenthal ist einer der wenigen Künstler in Deutschland, die sich konsequent kritisch und radikal in konzeptuellen Arbeiten mit relevanten Themen der Gesellschaft und Politik auseinandersetzen.
In der Zeitschrift „Kulturpolitik“ 2/24 beschreibt Simon Rosenthal seinen künstlerischen Ansatz: „Dank meiner vielen Jahre des Studiums verschiedenster Fächer, habe ich einen ganz guten moralischen Kompass und einen recht großen geistigen Werkzeugkasten, um die täglich eintrommelnden Informationsprojektile noch im Flug zu entschärfen. Die Trümmer transformiere ich in Kunstwerke, die ich in einer Art öffentliche Therapiesituation der Gesellschaft zur Verfügung stelle. Meine Therapeutika sind Provokation, Konfrontation, Humor und Bildungsvermittlung“.
Seit ca. zwei Dekaden geistert das Adjektiv „bunt“ im öffentlichen und veröffentlichten Diskurs umher. Wer „bunt“ in die Suchmaschine tippt, findet weniger Bastelanleitungen zum Kindergeburtstag für Dreijährige, sondern Bezüge zum politischen und sozialen Gemeinwesen. Buntheit wird darin zum Imperativ für ein undefiniertes Multikulti-Irgendwas, das in die Zukunft weisen soll. Dabei dient es vor allem als Identifikationsmuster und der Abgrenzung von anderen politischen Mentalitäten.
Das allgemein vorhandene Bedürfnis nach sozialer Anpassung steht dabei im Widerspruch zur anvisierten Buntheit, sprich Einmaligkeit des Individuums. Zur Kompensation dienen Buntheitssuroggate, die für Unangepasstheit stehen, aber in der massenweisen Verwendung einen grotesken Widerspruch zur Intention darstellt.
Der unpolitisch, sich links gebende Freak wird zur gesellschaftlichen Leitfigur.
In der Ausstellung werden Gemälde und Zeichnungen gezeigt, die als thematische Serie in den letzten Jahren entstanden sind.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog und ausgewählte Motive als limitierte Feinartprints.
Eine Bildschirmversion des Katalogs können Sie hier herunterladen.