Seit ca. zwei Dekaden geistert das Adjektiv „bunt“ im öffentlichen und veröffentlichten Diskurs umher. Wer „bunt“ in die Suchmaschine tippt, findet weniger Bastelanleitungen zum Kindergeburtstag für Dreijährige, sondern Bezüge zum politischen und sozialen Gemeinwesen. Buntheit wird darin zum Imperativ für ein undefiniertes Multikulti-Irgendwas, das in die Zukunft weisen soll. Dabei dient es vor allem als Identifikationsmuster und der Abgrenzung von anderen politischen Mentalitäten.
Das allgemein vorhandene Bedürfnis nach sozialer Anpassung steht dabei im Widerspruch zur anvisierten Buntheit, sprich Einmaligkeit des Individuums. Zur Kompensation dienen Buntheitssuroggate, die für Unangepasstheit stehen, aber in der massenweisen Verwendung einen grotesken Widerspruch zur Intention darstellt.
Der unpolitisch, sich links gebende Freak wird zur gesellschaftlichen Leitfigur.
In der Ausstellung werden Gemälde und Zeichnungen gezeigt, die als thematische Serie in den letzten Jahren entstanden sind.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog und ausgewählte Motive als limitierte Feinartprints.
Eine Bildschirmversion des Katalogs können Sie hier herunterladen.
Wertfrei betrachtet, ist der Übergang ein Dazwischen inmitten zweier Zustände. Ein Übergang ohne ein Davor und ein Danach ist nicht möglich. In diesem Zusammenhang wird der Zustand des Übergang als nachrangig begriffen. Das ist insofern bemerkenswert, da befreit von dieser Klammer der Übergang immer und überall vorherrscht. Der Übergang ist das Jetzt und ein permanentes Ereignis.
Die Bilder von Jurek Rotha zielen auf diesen entkontextualisierten Blick, der die ästhetische Dimension in den Mittelpunkt rückt. In der reinen Betrachtung wird aus der verwahrlosten Szenerie eine Anordnung von Formen und Farben, die einen chaotischen Prozess abbildet. Malerei, wie sie Jurek Rotha anwendet, bildet dabei das ideale Medium, um das Wesen dieses Übergangs darzustellen. Sie schafft Abstand und gibt den Blick frei auf die Schönheit des Vorgefundenen, was als „Natur“ erfahrbar wird. Natur meint hier, den beständigen Wandel der Physis durch Entstehen und Vergehen. Der nüchterne Blick auf die Schönheit ist dabei nie hundertprozentig und so mischt sich immer das Wissen um den eigenen Verfall in die Betrachtung.
Verbundenheit schafft Erleben und letztendlich die Grundbedingung, sich dem Kunstwerk zu nähern.
Chris Löhmanns Bildwelten sind radikal.
Radikal bedeutet hinab zu steigen, auf den Grund gehen, in die Unterwelt der persönlichen und kollektiven Sedimente.
Kultur und Geschichte verdichten sich in Existenzen und Landschaften, aus deren Wunden das Neue sprießt. Keine Auferstehung ohne Abgrund.
Löhmann arbeitet aus seiner Person heraus. Seine Bilder sind nicht abstrakt, nicht konstruiert. Sie sind Kärnerarbeit des Da-Seins. Das Graben im Dreck. Nur so lassen sich Schätze heben. Vom Kleinen zum Großen. Vom Eigenen zum Anderen. Vom Hier, die Welt erfassen.
Gezeigt werden Zeichnungen und Druckgrafiken des in Königstein/Sachsen lebenden Künstlers und Absolvent der HfBK Dresden.
Die komplexen, erzählerischen und bildgewaltigen Arbeiten der letzten Jahre sind eine Premiere in Leipzig und grandioser Auftakt des Ausstellungsjahres 2025 der Galerie.
Zur Ausstellung erscheint ein umfangreicher gedruckter Katalog. In digitaler Version zum herunterladen auch hier als PDF.
„Die Offenbarung des Johannes (östlicher Blick auf Freital Deuben)“ Pigmentstift und Feder auf Karton, 60x70cm, 2021(mehr …)