Geschichte, Charakter, Werkauswahl und Bildthemen
Frank J. Schäpel (FS) antwortet auf Fragen des Galeristen Thomas Fiebig (G)

G: Was hat Sie dazu bewogen, sich mit dem UFO-Phänomen und damit zusammenhängender Erscheinungen zu beschäftigen?
FS: Die selben Gründe, die mich auch bewogen haben, mich mit Anatomie, Astronomie, Geschichte und gesellschaftlichen wie politischen Entwicklungen zu beschäftigen. Es geht um ein besseres Verständnis von Realität.
Denn nicht nur die Norm und das Regelhafte, sondern auch das Außergewöhnliche und Abnorme sagen etwas über sie aus. Das UFO-Phänomen steht in vielen Aspekten unserem wissenschaftlichen Weltbild entgegen und beweist somit dessen Beschränkt- und Fehlerhaftigkeit. Geht man bei diesem Phänomen empirisch vor, kann man sehr viel über unsere Realität, und unser Verhältnis zu ihr lernen und offene Fragen besser
stellen. Zudem scheint das Phänomen genau wie einige Agenden heutiger Globalisten und Transhumanisten unsere Souveränität und Selbstbestimmung zu gefährden. Und das allein macht das UFO-Phänomen relevant.
G: Können Sie bitte kurz auf die geschichtlichen Hintergründe dieses Phänomens eingehen.
FS: Den Ursprung des UFO-Phänomens zeitlich exakt zu bestimmen, ist nicht möglich. Bereits aus der Zeit vor der Antike gibt es Artefakte und Texte, die sich spekulativ als Hinweise auf eine fremde Intelligenz und fremde Flugtechnologie deuten lassen (Nazca-Linien). Seit der Antike dann liegen uns Sichtungsberichte von UFOs (UFO=Unidentified Flying Object) aus allen Epochen, vor allem in Chroniken, aber auch Flugblättern und anderen Dokumenten vor, wenn auch bei weitem nicht so zahlreich wie heute. Ende des 19. Jahrhunderts werden in den USA vermehrt unbekannte ‘Luftschiffe’ berichtet, doch ist die Datenlage zu diesen Fällen dermaßen unsicher, dass man das Auftreten der im Militärjargon ‘Foo Fighters’ genannten Objekte als erste moderne UFO-Welle bezeichnen kann. Sichtungen dieser Objekte häuften sich im 2. Weltkrieg. Piloten und Luftabwehr-Personal haben Probleme, die von ihnen gesichteten UFOs zuzuordnen. Die verschiedenen Seiten spekulieren jeweils, dass diese Objekte neue Waffensysteme der Gegner sein müssen, da sie selbst über keine Maschinen mit derartigem Flugverhalten (hohe Geschwindigkeiten und Beschleunigungen, abrupter Richtungswechsel) verfügen. Nochmals eskaliert die Sichtungshäufigkeit dann kurz nach dem Krieg. Viele Forscher sehen das Jahr 1947 deshalb als Beginn des modernen UFO-Phänomens und spekulieren über einen Zusammenhang mit den zeitgleich einsetzenden Reihen von Atombombentests. Eine bestehende Kausalbeziehung könnte die vielen UFO-Vorfälle über militärischen Nuklear-Waffenbasen und zivilen Atom-Kraftwerken erklären.
Die auffällige Häufung von UFO-Sichtungen in den 1940er Jahren führte zu einer Krise, vor allem im militärischen Bereich. Die Militärs waren machtlosgegen die vielen Luftraumverletzungen und konnten die Flugobjekte keiner
Nation zuordnen. Sie wussten nicht, mit was sie es überhaupt zu tun hatten, und spielten das Phänomen gegenüber der Öffentlichkeit herunter. Die Wissenschaftler dagegen waren mit Flugeigenschaften und den elektromagnetischen und gravitativen Wechselwirkungen der Objekte mit der Umgebung konfrontiert, die ihren physikalischen Theorien widersprachen. Außerdem entzieht sich die das Phänomen offensichtlich verursachende Intelligenz der wissenschaftlich-akademischen Untersuchung – es lässt sich nicht in wiederholbare Laborreihen pressen. Die meisten Wissenschaftler ignorierten die vorliegenden Daten deshalb pauschal und sprachen dem Phänomen jeglichen Realitätsstatus ab. Die irrationalen Erklärungen des Militärs und der Akademien wurden dann wiederum von Journalisten ungeprüft übernommen. Seit einigen Jahren nun gibt es erneut Bemühungen von einer Gruppe von Forschern, Journalisten, Militärs und Politikern, das bestehende UFO-Tabu aufzubrechen und eine Freigabe der von den Militärs gesammelten UFO-Daten zu erwirken.
G: Sie arbeiten künstlerisch, aber auch wissenschaftlich an dem Thema. Fürdie meisten Zeitgenossen scheinen Wissenschaft und UFO-Phänomen eher unvereinbar zu sein. Woher ergibt sich für Sie der wissenschaftliche Ansatz? Was genau ist der Charakter und Umfang des Phänomens?
FS: Dass die Objekte, um die es hier geht, unidentifiziert bleiben, bedeutet nicht, dass wir sie als bloße Phantasmogorien abtun können. Zu zahlreich sind die Fälle, zu denen nicht nur nüchtern-sachliche Berichte glaubhafter Zeugen, sondern auch Radar- oder andere Aufzeichnungen sowie Foto- oder
Filmaufzeichnungen existieren. Bei Nahbegegnungen und Landungen der Objekte werden zudem Verände-
rungen des Bodens sowie elektromagnetische und gravitative Wechselwirkungen registriert. Beispielsweise fallen elektrische Geräte aus oder werden gestört und es kann zu Verwirblungen und Wellenformationen in Luft und
Wasser kommen. Daneben gibt es ‘Solid Light’ Fälle, in denen Lichtstrahlen wie Gegenstände scharf abgegrenzte Enden aufweisen und wie Antennen ausgefahren werden. Auch sind Nahbegegnungen dokumentiert, bei denen
es zu Verletzungen von Tieren und Menschen gekommen ist. Was die UFOs von herkömmlichen Zivil- und Militärflugmaschinen außerdem unterscheidet, sind ihre außerordentlichen Flugeigenschaften: extreme
Geschwindigkeiten, Ent- und Beschleunigungen, abrupte Richtungs- und instantane Ortswechsel sowie plötzliches Auftauchen und Verschwinden. Auch scheinen einige dieser Objekte problemlos unter Wasser navigieren
zu können. Das UFO-Phänomen beschränkt sich aber nicht nur auf Sichtungen von Objekten. In den Objekten oder im Umfeld der Objekte wurden tausendfach Entitäten berichtet. Zahlreiche Zeugen behaupten zudem, von ihnen
entführt worden zu sein.
Weniger zwingend dagegen ist die Verbindung des UFO-Phänomens zu anomalen Kornkreisen und Viehverstümmelungen. Die Hypothese, dass die das UFO-Phänomen verursachende Intelligenz gleichermaßen auch für zumindest einen Großteil der anomalen Tierverstümmelungen und Kornkreise verantwortlich ist, scheint mir keineswegs abwegig. Deswegen habe ich diese beiden Phänomenfelder mit in die Ausstellung einbezogen. Auch wenn die beobachteten Anomalien in den Phänomenbereichen der UFOs, der Parapsychologie und der Religion teils starke Ähnlichkeiten aufweisen, subsumiere ich letzte beiden Bereiche dagegen nicht zum UFO-Phänomen. Das UFO-Phänomen weist auf eine geschöpfliche Intelligenz und Technologie, die unsere übersteigt, Marienerscheinungen und andere religiöse Phänomene aber auf die Präsenz und Intervention des Schöpfers
selbst. Über derart schwierige Fragen lassen sich mangels Wissen aber keine Gewissheiten erringen, sondern nur bessere oder schlechtere Hypothesen aufstellen. Genau wie über die Frage, woher die UFO-Intelligenz kommt (von
einem anderen Ort, aus einer anderen Zeit oder Dimension), welcher Qualität ihr Wesen ist (biologisch, rein geistig, technoid, [zukünftig]menschlich) und welches ihre Agenda und ihr Verhältnis zu uns ist.
G: Die Bildthemen und Werkauswahl der Ausstellung sind im Wesentlichen von Ihnen getroffen worden. Nach welchen Kriterien sind Sie vorgegangen?
FS: In der Ausstellung werden die verschiedenen Aspekte des Phänomens unterschiedlich stark gewichtet. Zum Teil ist das einfach dem Umstand geschuldet, dass ich in meiner Forschung und Kunst zum UFO-Phänomen unterschiedlich intensiv mit den einzelnen Aspekten beschäftigt habe. Einige Aspekte drängten sich in ihrer visuellen Präsenz geradezu als Malsujets auf – wie die Tierverstümmelungen oder Portraits von UFO-Forschern
und Zeugen. Andere Themen ließen sich dagegen besser in Form eines Fallkataloges oder statistischen Auswertung bearbeiten.
Ich habe für die Ausstellung eine Auswahl versucht, die das verwirrend große Spektrum der UFO-Phänome möglichst komplett abbildet. Deswegen stehen teilweise wenige einzelne Arbeiten stellvertretend für gan-
ze Themenkomplexe wie der Prä-Astronautik, während zu anderen Themen wie den Nahbegegnungen mit fremden Wesen oder UFO-Sichtungen mit meinem ‘Alien-Katalog’ und ‘UFO-Katalog’ wandfüllende Installationen zu
sehen sind. Die Entstehung neuer UFO-Techno-Religionen habe ich ebenfalls mit einbezogen. Die Verflechtungen von Konzepten und Glaubenssätzen dieser neuen Religionen mit dem Gedankengut aus New Age, Globalismus und
Transhumanismus sind verstörend. Massenselbstmorde der ‘Heavens Gate’und ‘Solar Temple’-Sekten offenbaren die dunkle Seite dieser neuen Religionen und beleuchten das Verhältnis von Phänomen, Forschung, Politik und
Militär noch einmal anders. Die meisten anderen Themen, die nach meiner Einschätzung nicht direkt zum UFO-Phänomen gehören, habe ich dagegen ausgeschlossen – auch wenn sie Korrelationen, Ähnlichkeiten oder sogar Überschneidungen aufweisen oder ein Nachdenken über ihr Verhältnis lohnend ist, wie bei den Marienerscheinungen, der Parapsychologie oder der Atomtechnik. Genauso fehlen die Reaktionen auf das UFO-Phänomen in der Pop- und SciFi-Kultur. Diese Auswirkungen des Phänomens aufzugreifen, hätte den Rahmen der
Ausstellung deutlich gesprengt.
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