9 Künstler- 9 Antworten
22.01.26 – 08.03.26
Vernissage 22.01.26 / 19 Uhr
Der Begriff der Schönheit als ästhetisches Kriterium ist in der bildenden Kunst nahezu irrelevant geworden. Das ist bemerkenswert, denn gleichwohl muss sich jeder Schaffende von Kunstwerken dazu positionieren. Jede Gestaltung setzt Entscheidungen voraus, die das Entstehende strukturieren und ins rechte Maß bringen müssen. Selbst wenn man dem Zufall einen entscheidenden Anteil am Werk überlässt, liegt die Beurteilung und Autorisierung in den Händen des Künstlers und entzieht sich nicht der ästhetischen Beurteilung.
Der Einwand, dass das Werk in eine Form zu bringen, nicht zwangsläufig bedeutet „Schönheit“ anzustreben, ist richtig. Es verkennt aber die Unumgänglichkeit unserer bewussten und unbewussten Wertvorstellungen in Bezug auf Ausgewogenheit, Harmonie und anzustrebender Vollkommenheit. Selbst die Negation dieser positiv besetzen Gestaltungsideale schließt diese dann mit ein.
In diesem Sinne ist es nicht Ziel der Ausstellung „schöne Kunst“ zu präsentieren. Vielmehr geht es um die Bewusstmachung von ästhetischen Maßstäben in Beziehung zu den genannten positiv empfundenen Gestaltungsidealen, die wir Schönheit nennen.
Neben den Werken werden kurze Statements der Künstler zu finden sein, wie diese sich dazu positionieren.
Vor einigen Dekaden sprach man von den schönen Künsten und meinte damit die Kunst im Allgemeinen. Voraussetzung war, dass man sich über vorherrschende Maßstäbe von Ästhetik und gesellschaftlichen Werten weitestgehend einig war. Die Kunst hatte die Aufgabe, das Gute und das Schöne zu vereinen und einen künstlerischen Ausdruck zu finden, der dem entspricht. Man formulierte Ideale, um den Künstler selbst und das Publikum gleichermaßen zu bereichern.
Selbst die Darstellung der dunklen Seite, des Dionysischen wurde ästhetisch verführerisch in Szene gesetzt. Man arbeitete im Bewusstsein für ein Publikum und fand dementsprechend eine delikate Umsetzung, die man im allgemeinen als schön goutierte. Schönheit und Ästhetik fungierte als Sprache. Die Ausrichtung war vertikal und wurde von oben nach unten vermittelt. Die Aristokratie kultivierte, das Bürgertum übernahm und in den Seitenstraßen wurde im Kleinen weitergebaut, was man auf den Marktplätzen errichtete.
Seit dem Aufkommen des Egalitarismus im 19. Jahrhundert verschwand zunehmend die Leitbildwirkung der Eliten. Massenkultur und Diversifizierung verdrängten den gewachsenen Kanon ästhetischer Übereinstimmung. Die Moderne mit ihren Ismen und Dekonstruktionen und die darauf folgende kopflose Postmoderne hinterließen nur noch Einzelkämpfer oder Heroen des Marktes. Ästhetisch beispielgebend waren diese nicht mehr. Das Oben war weggebrochen. Man orientiert sich seitdem an Massenkultur, Subkulturen und überlieferten Restbeständen, bedient sich aus den Abstellkammern der Vormoderne oder dem Stilwirrwarr des 20.Jahrhunderts. In der Architektur hat vollends der Kommerz, die Ratio und Effizienz jegliche ästhetische Herangehensweise verdrängt.
Nichtsdestotrotz und bei aller Heterogenität ist der Künstler dennoch angehalten, ästhetische Entscheidungen zu treffen, bewusst, oder unbewusst. Er muss sie treffen. Selbst die Negierung konventioneller Ästhetik ist ein Vorgang der Gestaltung, und schließt immer einen ästhetischen Ausdruck mit ein. So wie man nicht nicht kommunizieren kann, ist es unmöglich ein Artefakt zu realisieren ohne diesem ein Gesicht zu geben, dass ästhetisch gewertet wird. Dies trifft nicht nur auf die Werke zu, sondern kommt oft noch eindrücklicher in den Präsentationsformen der auszustellenden Objekte zur Geltung. Selbst bewusst hässliche Werke, als Negation der Schönheit, werden schlussendlich durch Inszenierung im musealen oder Galeriekontext als schön wahrgenommen. Das ist dann paradoxerweise selbst im Interesse des Künstlers, der es vorzieht sein hässliches Werk im Museum zu präsentieren als neben einem Obdachlosen unter einer Brücke. Der Whitecube ersetzt die Monstranz. Schönheit ist unvermeidbar, sichtbar oder alsVerlust derselben.
Die Künstler präsentieren in der Ausstellung neben ihren Werken einen Text, der ihre ästhetische Vorgehens- und Sichtweise bezüglich ihres Schaffens thematisiert. Auf Ansinnen der Galerie ist dieser bewusst kurz gehalten und soll darstellen, inwieweit Schönheit für den Künstler von Relevanz ist und wie er ggf. zum tragen kommt. Ästhetik und Schönheit ist eine Form der Kommunikation und genau dies soll die Ausstellung sein. Wo gibt es Übereinstimmungen, Schnittmengen, Unterschiede und Gegensätze? Was sind die Werte und Grundeinstellungen dahinter? Lässt sich ein konstruktiver und verbindender Ansatz finden und wie wird der Betrachter teil davon?
Denn letztendlich ist erst durch die Betrachtung und Aufmerksamkeit Schönheit möglich.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, den Sie als Onlineversion hier herunter laden können. Katalog „Schönheit?“
Künstler
Elisabeth Bandur
lebt in Leipzig, Studium HGB Leipzig
Instagram: @elisabeth_bandur
Sebastian Hennig
geb. in Leipzig, lebt in Radebeul, Studium HfBK Dresden
Instagram: @sehennnn
Georg Kleefass
geb. in Budapest, lebt in Leipzig, Studium HGB Leipzig
www.steveuhlig.de/georg-kleefass
Chris Löhmann
geb. in Bützow, lebt in Königstein/Sachsen, Studium der Bildenden Kunst an der HfBK Dresden
www.chrisloehmann.com
Agata Maas
geb. in Posen/Polen, lebt in Leipzig, Studium Hochschule für bildende Künste in Hamburg (HFBK)
www.agatamaas.de
Instagram: @agata.maas
Ulrich Moskopp
geb. in Köln, lebt und arbeitet in Köln, Studium Kunstakedemie Düsseldorf bei Gotthard Graubner
www.ulrichmoskopp.de
Instagram: @ulrichmoskopp
Frank J. Schäpel
geb. in Vechta, lebt in Berlin, Studium Hochschule für Künste Bremen, Universität der Künste (UdK) bei Georg Baselitz
www.frankschaepel.de
Instagram: @fjschaepel
Katja Schütt
geb. in Gera, lebt in Berlin, Bauhaus-Universität Weimar – Freie Kunst bei Reinhard Franz, Kunsthochschule Kassel – Experimentelle Fotografie bei Prof. Floris Neusüss, Kunsthochschule Berlin Weißensee Bildhauerei bei Prof. Inge Mahn und Prof. Bernd Wilde
www.katjaschuett.de
Intagram: @katjaschuett
Thomas Fiebig
geb. in Leipzig, lebt in Leipzig und in der nähe von Köln, Autodidakt
www.thomasfiebig.de
instagram: @freiheit_im_quadrat
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