Schönheit?

22.01.-08.03.26


Vor einigen Dekaden sprach man von den schönen Künsten und meinte damit die Kunst im Allgemeinen. Vorrausetzung war, dass man sich über vorherrschende Maßstäbe von Ästhetik und gesellschaftlichen Werten weitestgehend einig war. Die Kunst hatte die Aufgabe, das Gute und das Schöne zu vereinen und einen künstlerischen Ausdruck zu finden, der dem entspricht. Man formulierte Ideale, um den Künstler selbst und das Publikum gleichermaßen zu bereichern.
Selbst die Darstellung der dunklen Seite, des Dionysischen wurde ästhetisch verführerisch in Szene gesetzt. Man arbeitete im Bewusstsein für ein Publikum und fand dementsprechend eine delikate Umsetzung, die man im allgemeinen als Schön goutierte. Schönheit und Ästhetik fungierte als Sprache. Die Ausrichtung war vertikal und wurde von oben nach unten vermittelt. Die Aristokratie kultivierte, das Bürgertum übernahm und in den Seitenstraßen wurde im Kleinen weitergebaut, was man auf den Marktplätzen errichtete.
Seit dem Aufkommen des Egalitarismus im 19. Jahrhundert verschwand zunehmend die Leitbildwirkung der Eliten. Massenkultur und Diversifizierung verdrängten den gewachsenen Kanon ästhetischer Übereinstimmung. Die Moderne mit ihren Ismen und Dekonstruktionen und die darauf folgende kopflose Postmoderne hinterließen nur noch Einzelkämpfer oder Heroen des Marktes. Ästhetisch beispielgebend waren diese nicht mehr. Das Oben war weg
gebrochen. Man orientiert sich seitdem an Massenkultur, Subkulturen und überlieferten Restbeständen, bedient sich aus den Abstellkammern der Vormoderne oder dem Stilwirrwarr des 20.Jahrhunderts. In der Architektur hat vollends der Kommerz, die Ratio und Effizienz jegliche ästhetische Herangehensweise verdrängt.
Nichtsdestotrotz und bei aller Heterogenität ist der Künstler dennoch angehalten, ästhetische Entscheidungen zu treffen, bewusst, oder unbewusst. Er muss sie treffen. Selbst die Negierung konventioneller Ästhetik ist ein Vorgang der Gestaltung, und schließt immer einen ästhetischen Ausdruck mit ein. So wie man nicht nicht kommunizieren kann, ist es unmöglich ein Artefakt zu realisieren ohne diesem ein Gesicht zu geben, dass ästhetisch gewertet wird. Dies trifft nicht nur auf die Werke zu, sondern kommt oft noch eindrücklicher in den Präsentationsformen der auszustellenden Objekte zur Geltung. Selbst bewusst hässliche
Werke, als Negation der Schönheit, werden schlussendlich durch Inszenierung im musealen oder Galeriekontext als schön wahrgenommen. Das ist dann paradoxerweise selbst im Interesse des Künstlers, der es vorzieht sein hässliches Werk im Museum zu präsentieren
als neben einem Obdachlosen unter einer Brücke. Der Whitecube ersetzt die Monstranz. Schönheit ist unvermeidbar, sichtbar oder alsVerlust derselben.

Die Künstler präsentieren in der Ausstellung neben ihren Werken einen Text, der ihre ästhetische Vorgehens- und Sichtweise bezüglichihres Schaffens thematisiert. Auf Ansinnen der Galerie ist dieser bewusst kurz gehalten und soll darstellen, inwieweit Schönheit für den Künstler von Relevanz ist und wie er ggf. zum tragen kommt. Ästhetik und Schönheit ist eine Form der Kommunikation und genau dies soll die Ausstellung sein. Wo gibt es Übereinstimmungen, Schnittmengen, Unterschiede und Gegensätze? Was sind die Werte
und Grundeinstellungen dahinter? Lässt sich ein konstruktiver und verbindender Ansatz finden und wie wird der Betrachter teil davon?
Denn letztendlich ist erst durch die Betrachtung und Aufmerksamkeit Schönheit möglich.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, den Sie als Onlineversion hier herunter laden können.
Katalog "Schönheit?"

Thomas Fiebig



Künstler


Elisabeth Bandur
lebt in Leipzig, Studium HGB Leipzig
Instagram: @elisabeth_bandur

Sebastian Hennig
geb. in Leipzig, lebt in Radebeul, Studium HfBK Dresden
Instagram: @sehennnn

Georg Kleefass
geb. in Budapest, lebt in Leipzig, Studium HGB Leipzig
www.steveuhlig.de/georg-kleefass

Chris Löhmann
geb. in Bützow, lebt in Königstein/Sachsen, Studium der Bildenden Kunst an der HfBK Dresden
www.chrisloehmann.com

Agata Maas
geb. in Posen/Polen, lebt in Leipzig, Studium Hochschule für bildende Künste in Hamburg (HFBK)
www.agatamaas.de
Instagram: @agata.maas

Ulrich Moskopp
geb. in Köln, lebt und arbeitet in Köln, Studium Kunstakedemie Düsseldorf bei Gotthard Graubner
www.ulrichmoskopp.de
Instagram: @ulrichmoskopp

Frank J. Schäpel
geb. in Vechta, lebt in Berlin, Studium Hochschule für Künste Bremen, Universität der Künste (UdK) bei Georg Baselitz
www.frankschaepel.de
Instagram: @fjschaepel

Katja Schütt
geb. in Gera, lebt in Berlin, Bauhaus-Universität Weimar - Freie Kunst bei Reinhard Franz, Kunsthochschule Kassel - Experimentelle
Fotografie bei Prof. Floris Neusüss, Kunsthochschule Berlin Weißensee Bildhauerei bei Prof. Inge Mahn und Prof. Bernd Wilde
www.katjaschuett.de
Intagram: @katjaschuett

Thomas Fiebig
geb. in Leipzig, lebt in Leipzig und in der nähe von Köln, Autodidakt
www.thomasfiebig.de
instagram: @freiheit_im_quadrat


RAUM 1



RAUM 2





RAUM 3




Ludwigstr.91, 04315 Leipzig, Deutschland / Do+Fr 16-19 Uhr und nach Vereinbarung / Tel. 0049 (0) 162 4359461

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